Yoga und Tierrechte. Was ist Yoga? Was sind Tierrechte? Was hat Yoga mit Tierrechten zu tun?

von Dada Madhuvidyananda amn
Dada Madhuvidyananda
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Mai 22 in Yoga Meditation

Yoga und das ethische Verhalten gegenüber Tieren

Yoga ist eine ganzheitliche Lebensweise- und Philosophie. Ziel des Yoga ist es, sein innerstes Selbst zu erkennen und sein unbegrenztes, menschliches Potential zu entfalten. Dazu bedarf es der Ausgeglichenheit, die wir durch wohlwollendes und gewissenhaftes Verhalten entwickeln können. Die yogischen Ideale des ethischen und menschlichen Verhaltens sind in den Praktiken des Yama und Niyama beschrieben. Diese formen die Grundlage des Yoga. Hierin möchte ich diese Praktiken in Bezug zu Tieren erläutern.

 

Ahimsa: Niemandem Schaden durch Gedanken, Worte oder Taten zufügen

Tierrechte

Die Grundidee von Ahimsa ist es, keinem Geschöpf unnötigen Schmerz oder Schaden zuzufügen. Diese Idee ist auch in dem Leitspruch: „Behandle andere nicht so, wie Du selbst nicht behandelt werden willst.“ Bezüglich der Tiere bedeutet Ahimsa, dass wir ihnen kein vermeidliches Leiden zufügen, in dem wir sie zum Beispiel nicht in unnatürlichen oder schmerzlichen Zuständen halten, außer wenn sie menschliches Leben gefährden.

Um zu leben, müssen wir andere Lebewesen essen. Bezüglich der Wahl unseres Essens bedeutet Ahimsa, dass...

wir uns von den am wenigsten entwickelten Lebensformen ernähren und dabei so wenig wie möglich Leiden verursachen. Das tun wir, in dem wir uns vegetarisch ernähren und Tierproduckte vermeiden, die durch unnötiges Leiden oder Töten der Tiere hergestellt wurden.

 

Ethik ist ins Grenzenlose erweiterte Verantwortung für alles was lebt.“ Albert Schweitzer

 

Satya: Worte und Geist mit allumfassendem Wohlwollen benutzen

Satya bedeutet, an das Wohlergehen anderer zu denken und dementsprechend zu reden und zu handeln. Dadurch unterstützen und helfen wir anderen in ihrem Wachstum und ihrer Entwicklung. Satya beinhaltet wohlwollende Wahrhaftigkeit. Menschen, die nach Satya leben, sind mutig und unbestechlich. Durch ihre kleinen oder großen Taten verbreiten sie das Licht und die Liebe der Menschlichkeit.

Ein Beispiel von Satya wäre es, es ehrlich anzuerkennen, dass die Tiere in der Intensivtierhaltung schrecklich leiden, dieses Leiden zu verurteilen und nicht daran teilzunehmen.

Asteya: Nicht zu nehmen, was anderen gehört

Asteya bedeutet, nicht zu stehlen. Es schließt ein, selbst den Wunsch aufzugeben, etwas zu nehmen, was einem anderen gehört.

Nicht-zu-stehlen bezieht sich auch darauf, wie wir Tiere behandeln. In den modernen Michviehbetrieben wird das Kalb oft schon nach Stunden oder wenigen Tagen von seiner Mutter getrennt, so dass die Mich der Kuh nicht ihrem Kalb, sondern den Menschen gegeben wird. Wir Menschen nehmen somit dem Kalb seine Mich weg; wir berauben es von dem, was ihm von Natur aus zusteht.

Melken an sich muss nicht unbedingt ein Berauben des Kalbes sein. Wenn wir die Kühe ihrer Natur entsprechend leben lassen und pflegen würden, und sie ihre Kälbert frei stillen lassen würden, dann wäre das Melken Teil eines harmonischen Zusammenlebens und Zusammenarbeitens zwischen Tier und Mensch.

Brahmacarya: Den Geist an das Göttliche auszurichten

Brahmacarya bedeutet, alle Wesen und Dinge, mit denen wir in Kontakt kommen, als verschiedene Ausdrucksformen des Göttlichen anzusehen, also sie nicht nur als grobe Objekte zu betrachten. Brahmacarya ist eine Anstrengung, die nicht-materielle, spirituelle Essenz in allem anzuerkennen und zu erfahren.

Die Yoga Philosophie schreibt diese Göttlichkeit nicht nur den Menschen, sondern auch den Tieren und Pflanzen. Diese spirituelle Aussicht führt zu einer allumfassenden Liebe und Dienstbereitschaft.

"Ein Mensch ist Teil eines Ganzen, von uns Universum genannt - ein Teil, begrenzt in Zeit und Raum. Er erfährt sich, seine Gedanken und Gefühle, als getrennt vom Rest der Welt - eine Art optische Wahnvorstellung des Bewusstseins. Diese Wahnvorstellung ist ein Gefängnis, das unsere persönlichen Wünsche und Zuneigungen auf einige wenige Personen, die uns am nächsten stehen, begrenzt. Unsere Aufgabe muss es sein, uns daraus zu befreien, indem wir den Kreis des Mitgefühls für andere erweitern, bis alle lebenden Wesen und die ganze Natur in ihrer Schönheit dazugehören."

Albert Einstein

 

Aparigraha: Auf Luxus verzichten

Aparigraha bedeutet ohne solche Dinge auszukommen, die nicht für unsere Entwicklung oder Erfüllung unserer Aufgaben notwendig sind. Aparigraha hat einen persönlichen und einen sozialen Aspekt. Im persönlichen Bereich hilft Aparigraha Zufriedenheit und Ausgeglichenheit zu erlangen. Mehr Luxus führt nicht zu mehr Freude. Im Gegenteil, er führt oft zu mehr Stress und Gier. Das Bemühen, seinen Komfort und Genuss aus Mitgefühl für die Armen zu reduzieren, bringt einem einen inneren Reichtum von Zufriedenheit – ein Schatz, der nicht mit Geld gekauft werden. Kann.

Aparigraha führt auch zu Fortschritt und Wohlfahrt im sozialen Bereich. Wenn reiche Länder ihren Luxusverbrauch reduzieren würden und die dadurch gesparten Ressourcen an ärmere Nationen verteilen würden, könnte dadurch Armut und Hunger verringert und beseitigt werden. Wenn wir die 850 Millionen Menschen, die unterernährt sind und die 40 Millionen, die jährlich verhungern, bedenken, dann können wir den Fleischverbrauch als eine Form von Luxus bezeichnen. Denn die Fleischindustrie verbraucht enorme Mengen an Getreide, Energie, Wasser und Land. Würden dieselben Ressourcen für eine pflanzliche Nahrungsmittelproduktion genutzt werden, könnte genügend Nahrung für jeden Menschen auf der Erde zugeführt werden.

Shaoca: Reinheit

Tierschutz und universelle Liebe

Shaoca ist das Reinhalten des Körpers, Geistes und der Umgebung und Umwelt. Um gesund und zufrieden zu sein, ist es notwendig, den Körper und Geist rein zu halten. Es ist eine größere Arbeit unseren Geist zu reinigen, als unseren Körper, unsere Kleidung und unser Haus zu säubern.

Wenn Menschen von Wünschen getrieben den Objekten des Vergnügens nacheifern, ohne auf ihr Gewissen zu hören, oder wenn sie gewöhnlich aus egoistischen Beweggründen handeln, dann verzerrt und verspannt sich ihr Geist. Diese Verzerrungen sind die Unreinheiten des Geistes. Diese können durch selbstloses Handeln bereinigt werden. Gütiges Verhalten allen Wesen gegenüber, selbstloses Geben und Gewissenhaftigkeit führen zu geistiger Reinheit und Harmonie.

Sich vegetarisch und tierfreundlich zu ernähren, ist eine praktische Anwendung von Shaoca. Sich um Tiere zu kümmern und sie zu schützen verfeinert auch den Geist.

 

Santosha: Zufriedenheit

Zufriedenheit ist das Gegenteil von Gier. Santosha bedeutet gänzliche Zufriedenheit. Wenn jemand gänzlich zufrieden ist, fühlt er/sie sich glücklich. Ohne innere Zufriedenheit fühlt sich selbst ein Multimillionär ärmlich. Bewusste Zufriedenheit schließt das Verständnis mit ein, dass die Quelle beständigen Glücklich-seins in uns und nicht in den äußeren Objekten liegt.

Profit Motivation ist ein Hauptgrund warum Tiere in grausamen Zuständen gehalten und getötet werden. Profitgier führt zu mitleidslosem und zerstörerischem Handeln. Santosha wirkt der Gier in all ihren Formen entgegen. Das Üben von Santosha führt zu mitfühlendem, selbstlosem Handeln.

Santosha bedeutet nicht, Fehlverhalten und Ungerechtigkeiten passiv zu akzeptieren. Es beinhaltet vielmehr, dass wir aus innerer Ausgeglichenheit und Liebe für Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit kämpfen, anstatt aus Feindseligkeit und Hass heraus.

 

Tapah: Bemühungen machen und Entbehrungen auf sich nehmen, um sein Ziel zu erreichen

Die letztendlichen Ziele von Tapah sind es, andere von Leiden zu befreien und in ihrer Entwicklung zu helfen und auch die höchste Erkenntnis zu erlangen. Tapah ist völlig selbstlos, und wird ohne Erwartung von Belohnung getan. Es ist ein reiner Dienst und kein Geschäft. Tapah führt zu psychischer Ausdehnung, was die geistige und spirituelle Entwicklung sehr fördert.

Beim Ausüben von Tapah ist es wichtig sicher zu stellen, dass sein Dienst auch wirklich den Hilfsbedürftigen zu Gute kommt. Unsere größte menschliche Verantwortung ist gegenüber denen, die schwächer und ärmer sind als wir. Schwer zu arbeiten, um Geld für die Reichen zu sammeln oder um einer unheilvollen Sache zu dienen, wäre kein Tapah. Schwierigkeiten und Mühsal auf sich zu nehmen, um das Leiden von Hungernden, Armen und Misshandelten zu verringern wäre Tapah.

Billionen von Tieren werden jährlich in der Fleisch-, Pharma- und Bekleidungsindustrie gequält und getötet. Sie sind diesen Qualen völlig hilflos ausgesetzt. Schwierigkeiten auf sich zu nehmen und für das Vermindern ihrer Leiden zu arbeiten, ist Tapah.

Svadhyaya: Das Studium spiritueller und philosophischer Texte und anderer Lehrinhalte

Svadhyaya bedeutet nicht nur, sich lesend oder hörend mit einem Thema zu beschäftigen, sondern seine Bedeutung und die zugrunde liegenden Ideen zu verstehen. Dadurch können wir das Erlernte einordnen und bewusst anwenden.

Svadhyaya vermittelt uns Leitlinien für die Entwicklung unseres Geistes, unseres Gewissens und unseres Verhaltens. Svadhyaya hilft auch bei der Identifizierung irrationaler und engstirniger Texte und Interpretationen. Diese Art von Texten haben viel Schaden im Laufe der Jahrhunderte verursacht.

Die Yoga-Philosophie und Schriften lehren seit Tausenden von Jahren, universelle Liebe und Mitgefühl für alle Lebewesen zu entwickeln und ihnen nicht zu schaden. Inspiriert von dieser Philosophie haben sich die Menschen in Indien in der Vergangenheit weitgehend vom Fleischessen abgewandt und sich die vegetarische Ernährung zur Gewohnheit gemacht. Diese Entwicklung wurde durch das Ausüben von Svadhyaya gefördert.

Iishvara Pranidhana : Das Göttliche als sein Ideal wählen und sich danach ausrichten

Eine natürliche Entwicklung der Tierwelt

Iishvara Pranidhana beinhaltet, den Geist auf das Höchste Selbst auszurichten und Erfüllung im unsterblichen Wesen anstatt in der vorübergehenden Erscheinung zu suchen. In der Praxis bedeutet dies, das unendliche Bewusstsein zum Gegenstand der Meditation zu machen. Die Praxis der Meditation – von einem kompetenten Lehrer gelernt - führt zur Erkenntnis des Höchsten Selbstes und der damit verbundenen Glückseligkeit.

Die Ursache der grausamen Ausbeutung von Tieren ist die Engstirnigkeit und der Egoismus der Menschen. Um dies zu korrigieren, müssen Menschen lernen, ihren Geist zu erweitern und mit ihrem Gewissen und ihrer Menschlichkeit verbunden zu bleiben und universales Wohlwollen zu entwickeln. Der Prozess der Meditation bewirkt solche geistige Expansion und Integrität. Deshalb kann die Praxis der Meditation einen wesentlichen Beitrag zur Förderung der Tierrechte und des Tierschutzes leisten.

 

Tierrechte

"So wie ein Mensch leben will, will auch eine Taube, eine Kuh oder ein Baum leben. So wie mir mein Leben lieb ist, so haben auch andere Geschöpfe ihr Leben lieb. Es ist das Geburtsrecht des Menschen in dieser Welt zu leben, und es ist das Geburtsrecht der Tierwelt und Pflanzenwelt ebenfalls auf dieser Erde zu existieren . Um dieses Recht zu erkennen und die Anerkennung der ganzen menschlichen Gesellschaft zu erhalten, muss die Renaissance Bewegung konkrete Schritte unternehmen.“

P R Sarkar


Tierrechte sind die Rechte der Tiere auf Leben, Schutz und eine natürliche Entwicklung. Brasilien und Deutschland haben den Tierschutz in ihre Verfassungen von 1988 und 2002 aufgenommen. Dies war sicherlich eine beispielhafte Tat. Aber leider werden in diesen beiden Ländern, wie in allen anderen Ländern, weiterhin Millionen von Tieren unter unnatürlichen und grausamen Bedingungen gehalten und geschlachtet.

Yoga und Tierrechte

Yoga und Tierrechte

Wie wir gesehen haben, ist das Pflegen und Schützen von Tieren ein wesentlicher Bestandteil des Yoga. Ein Yogi ist ein Freund und Verteidiger der Tiere. Yoga kann bei der enormen Aufgabe, die Tierrechte in der Gesellschaft anzuerkennen und umzusetzen, eine wichtige Rolle spielen.

Zum einen lehrt die Yoga-Philosophie Kernprinzipien, auf denen der Tierschutz beruht: nicht schaden, universelles Wohlwollen und die Verbundenheit, Würde und zugrunde liegende Einheit allen Lebens. Zum anderen hilft die Yoga-Praxis Eigenschaften zu entwickeln, die wesentlich für das Erreichen solch einer großen Aufgabe sind: Integrität, Vernunft, universelle Liebe, feste Entschlossenheit, Ausgeglichenheit, Selbstbeherrschung, Mut, innerer Frieden und Selbstlosigkeit.

Wenn du mehr über Yoga erfahren oder dich für das Wohl der Tiere einsetzen möchtest, stehen wir dir gerne mit Rat und Tat bei. Schreibe uns oder rufe uns an.

 

 

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